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Ariane Rüdiger: Aktion Eisprung

Die einfache Frage ihrer Nichte, warum sie keine Kinder habe, löst in Susanna einen Gedankenstrom aus, der in einem unumstösslichen Wunsch endet: Sie möchte Nachwuchs. Ein Wunsch, der nicht nur ihr bisheriges Leben auf den Kopf stellt, sondern auch das ihrer Freundin Karen. Denn die hat für das Projekt „lesbische Kleinfamilie“ wenig übrig.
Ariane Rüdiger erzählt in ihrem Roman ebenso amüsant wie lebensnah die Geschichte eines Frauenpaares auf dem Weg zum gemeinsamen Kind. Der Spannungsbogen reicht von der Beziehung, die durch den Kinderwunsch auf eine harte Probe gestellt wird, über die schwierige Suche nach einem Samenspender bis zur Auseinandersetzung mit den wenig toleranten Eltern. Dabei gelingt es der Autorin - trotz manch einer Klischeehaftigkeit - eine fesselnde Geschichte zu erzählen. Feinfühlig schildert Ariane Rüdiger die Probleme all derer, die mit der „Aktion Eisprung“ konfrontiert werden. Da ist die Schwägerin, die Susanna verteidigt, Frank, der darunter leidet, dass sein Partner zum Samenspender wird oder Susannas Mutter, die erkennt, dass selbst der Metzgersohn im Dorf schwul sein kann.
Am Ende schliesst sich ein weiter Kreis und man wünscht sich, dass nicht nur Lesben dieses Buch lesen mögen, sondern auch all jene, denen wie Susannas Eltern das Modell Regenbogenfamilie noch immer fremd erscheint.   

Ariane Rüdiger, Aktion Eisprung, Querverlag, ISBN 3-89656-135-9, 14,90 Euro.


Mirjam Müntefering: Jetzt zu dritt

Michelin und Angela sind seit einem Jahr ein glückliches Paar. Der Altersunterschied zwischen ihnen störte bisher niemanden - doch das ändert sich, als Michelin offenbart, was ihr in ihrem Leben noch fehlt: ein Baby! Angela, bereits mit einer erwachsenen Tochter geschlagen, sträubt sich mit Händen und Füssen gegen diesen Plan. Auch die Freundinnen aus der Szene begegnen dem Kinderwunsch mit sehr gemischten Gefühlen. Und schliesslich stellt sich ja auch die Frage: Wie soll das gehen, mit dem Kind - wenn kein Mann im Spiel ist? Mirjam Müntefering berichtet in ihrem gerade erschienenen Roman wieder von Michelin Schwarz und ihrer charmanten Freundin Angela Rose, die Heldinnen aus dem Roman „Die schönen Mütter anderer Töchter“. Augenzwinkernd erzählt sie vom langen und schwierigen, aber gerade deshalb sehr amüsanten Weg in den Kreiss-Saal. Wahre Liebe kennt bekanntlich keine Hindernisse - und schon gar keine mit Schnuller im Mund!

Mirjam Müntefering, Jetzt zu dritt, Lübbe Verlag, ISBN 3-404-15663-3, 7,95 Euro.



Uli Streib-Brzic und Stephanie Gerlach: Und was sagen die Kinder dazu?

Zwischen Flensburg und Passau leben laut Schätzungen mehrere zehntausend  Kinder in lesbischen oder schwulen Familien – Tendenz steigend. Doch immer wieder werden Befürchtungen laut, Kinder, die mit homosexuellen Eltern aufwachsen, könnten Schaden nehmen. Dazu, so finden die beiden Autorinnen, können am besten die Kinder selbst etwas sagen. Die kommen in diesem Buch nun erstmals zu Wort.
Uli Sreib-Brzic und Stephanie Gerlach haben mit 36 Töchtern und Söhnen zwischen 6 und 31 Jahren darüber gesprochen, wie es sich so lebt mit zwei Müttern oder zwei Vätern, was sie an ihrer Familie cool finden, was sie ärgert, wie sie mit Papas Freund zurechtkommen und wie sie zu den Heiratsplänen von Mami und Mama stehen. Ihre Geschichten sind so unterschiedlich wie sie selbst. Und sie erzählen davon, dass ihre Familien eigentlich gar nicht so anders sind - oder doch völlig aus dem Rahmen fallen.

Uli Streib-Brzic und Stephanie Gerlach, Und was sagen die Kinder dazu? Gespräche mit Töchtern und Söhnen lesbischer und schwuler Eltern, Querverlag, ISBN 3-89656-119-7, 14,90 Euro.



Cordula de la Camp: Zwei Pflegemütter für Bianca

Erstmals wurden für das Buch neun lesbische und schwule Pflegeeltern interviewt. Sie berichten sehr offen darüber, wie sie zu der Entscheidung kamen, Pflegekinder aufzunehmen, welche Schwierigkeiten und welche positiven Erfahrungen sie machten und wie der Alltag aussieht. Die Interviews sind nur geringfügig redigiert, was sie sehr authentisch, allerdings auch etwas mühsam zu lesen macht. Sie geben aber einen realistischen Einblick in die Thematik und stellen eine gute Hilfe dar bei der Entscheidung für oder gegen die eigene Aufnahme von Pflegekindern.

Cordula de la Camp, Zwei Pflegemütter für Bianca, Interviews mit lesbischen und schwulen Pflegeeltern,  http://www.lit-verlag.de/reihe/sopae Reihe: Sozialpädagogik, Bd. 12, ISBN 3-8258-5468-x, 30,90 Euro.

 

Petra Thorn und Lisa Herrmann-Green: Die Geschichte unserer Familie

Immer mehr lesbische Frauen verwirklichen ihren Kinderwunsch mit Hilfe von gespendetem Samen. Da diese Familien nicht nur zunehmen, sondern auch öffentlich sichtbarer werden, ist auch Literatur notwendig geworden, um diese Lebensrealität wiederzuspiegeln. Mit ihrem Buch, das von Tiziana Rinaldi illustriert wurde, unterstützen die Autorinnen lesbische Eltern, mit ihren Kindern über ihre Enstehung und ihre Familienform zu sprechen. Es ist für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren gedacht. Mit einfachen Worten wird der Kinderwunsch der Eltern und die Zeugung durch Insemination erklärt. Dabei gibt es zwei Varianten für die Familien, die bei einem Arzt inseminiert haben, und für solche, die mit Hilfe eines bekannten Mannes ein Kind gezeugt haben. Zudem können Fotos der eigenen Kinder eingeklebt werden. Ein Erfahrungsbericht zweier lesbischer Mütter bildet den Abschluss.

Petra Thorn und Lisa Herrmann-Green, Die Geschichte unserer Familie, Ein Buch für lesbische Familien mit Wunschkindern durch Samenspende,  FamART Verlag, ISBN: 978-3-9811410-1-6, 20 Euro zzgl. 2 Euro Versand, http://www.famart.de/pageID_3914953.html.

 

Natasha Friend: No. 9677 oder Wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam

Als Mutter eines Samenspenderkindes kann man an der ein oder anderen Stelle des Buches schon mal schlucken. Wenn etwa ein Vater herbeigesehnt wird oder wenn suggeriert wird, dass Samenspenderkinder ausschließlich im Reagenzglas gezeugt werden. Je mehr man sich auf die Geschichte einlässt, desto vielschichtiger wird sie jedoch und desto sympathischer werden einem die jugendlichen Charaktere: Milo, der Hyperallergiker, der aus diesem (vorgeschobenen) Grund seinen genetischen Erzeuger finden will, die Halbschwester Hollis, die das eigentlich nicht möchte, da sie – wie man im Verlauf der Geschichte erfährt – tieftraurig über den Tod ihrer Co-Mutter ist und auch JJ, der Freund, der selbst als Adoptivkind seine Wurzeln nicht kennt und das „Projekt Suche“ unterstützt. Über eine Internetplattform werden weitere Kinder des Spenders No. 9677 ausfindig gemacht. Gemeinsam suchen die Jugendlichen nach dem Mann hinter dieser Nummer, kommen dabei Schritt für Schritt voran und finden auf dem Weg dorthin zugleich ganz anderes. Alle eint ein Humor, der dem Buch trotz eines schwierigen Themas eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Familie ist das, was man daraus macht, lautet das Fazit.

 Natasha Friend, No. 9677 oder Wie mein Vater an fünf Kinder von sechs Frauen kam, aus dem Englischen von Jessika Komina und Sandra Knuffinke, magellan Verlag, ISBN: 978-3-7348-5029-5, 17 Euro.