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ADOPTION


Verheirateten Paaren steht die Möglichkeit offen, gemeinschaftlich ein Kind anzunehmen. Mit der Adoption entsteht rechtlich ein Eltern-Kind-Verhältnis, in dem das adoptierte Kind zur Familie gehört wie ein ehelich geborenes. Die verwandtschaftlichen Beziehungen zu seinen leiblichen Verwandten erlöschen dann. Adoptionsbewerber müssen einen Antrag bei dem zuständigen Vormundschaftsgericht stellen. Um zu gewährleisten, dass die Adoption zum Wohle des Kindes geschieht, obliegt Adoptionsvermittlungsstellen wie Jugendamt, Diakonisches Werk, Caritas oder Arbeiterwohlfahrt eine sachdienliche Überprüfung aller Beteiligten. Werden keine Einwände erhoben, sollte das Kind in der Regel vor dem endgültigen Entscheid erstmal zur Pflege in seiner künftigen Familie leben.

Neben Ehepaaren können auch Einzelpersonen ein Kind adoptieren: "Wer nicht verheiratet ist, kann ein Kind nur allein annehmen." (BGB ƒ 1741 (2) Satz 1). Es ist also grundsätzlich für Lesben und Schwule möglich, als Einzelperson ein Kind anzunehmen. Mit dem Beschluss zur "Ehe für alle" soll nun auch die gemeinschaftliche Annahme eines Kindes für homosexuelle Paare möglich sein. Bereits im Februar 2013 hatte das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass Homosexuelle das zuvor von ihrem Lebenspartner angenommene Adoptivkind ebenfalls adoptieren dürfen. Diese sogenannte Sukzessivadoption ebnete den Weg für eine gemeinschaftliche Adoption homosexueller Paare.


In Deutschland werden Lesben und Schwule, die einen Antrag auf Zulassung zur Adoption stellen, genauso wie Ehepaare und heterosexuelle Einzelpersonen dahingehend überprüft, ob sie unter Berücksichtigung der moralischen, sittlichen und finanziellen Voraussetzungen geeignet sind, ein Kind zu adoptieren. Es wird geprüft, ob sie den besonderen Anforderungen eines Adoptivkindes gewachsen sind.

In den wenigen uns bekannten Fällen, in denen sich Lesben und Schwule in Deutschland bisher um die Adoption eines Kindes bewarben, gingen sie gegenüber den Adoptionsvermittlungsstellen offen mit ihrer sexuellen Identität um und machten deutlich, dass sie dem Kind gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin / ihrem Lebenspartner ein Zuhause geben wollten. Von den MitarbeiterInnen der Adoptionsvermittlungsstellen wurde bei der Erstellung des Sozialberichtes (Home-study) berücksichtigt, dass die Partnerin / der Partner als Co-Mutter / Co-Vater in die Verantwortung miteinbezogen werden soll. Dass die homosexuellen Paare offen und selbstbewusst zu ihrer Lebensweise standen, wurde für die Entwicklung der Kinder als positiv beurteilt.

Die BewerberInnen erhalten die Adoptionserlaubnis in den für sie zuständigen Städten. In der Regel haben sie aber geringe Chancen, in Deutschland ein Kind vermittelt zu bekommen. Hier stehen für ein zur Adoption freigegebenes Kleinkind durchschnittlich zehn anerkannte AdoptionsbewerberInnen - überwiegend Ehepaare - zur Auswahl. Die Adoptionsvermittlungsstellen und die abgebenden Eltern, die der Adoption zustimmen müssen, vermitteln die Kinder nach wie vor am liebsten in "traditionelle Familienformen". Um langen Wartelisten oder schlechten Erfolgsaussichten zu entgehen, wählen nicht nur homo-, sondern auch heterosexuelle Paare oftmals den Weg einer sog. Auslandsadoption.
Mittlerweile gibt es jedoch auch in Deutschland eine Reihe positiver Beispiele. Für Leipzig kann festgestellt werden, dass das hiesige Jugendamt relativ tolerant auf lesbische und schwule AdoptionsbewerberInnen reagiert. Gegenüber der Öffentlichkeit ist man mit dieser progressiven Haltung jedoch – wahrscheinlich aus Angst vor Protesten von konservativer Seite –  sehr zurückhaltend.