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PFLEGSCHAFT


Dem Wandel des Familienbildes Rechnung tragend öffneten sich in den vergangenen Jahren viele Pflegschaftsstellen der bundesdeutschen Jugendämter auch homosexuellen Paaren. Diese Entwicklung mag mit dem dringenden Bedarf an Pflegefamilien in Zusammenhang stehen und als solche kritisch hinterfragt werden. Sie war und ist jedoch für viele homosexuelle Paare und Einzelpersonen eine Möglichkeit, ihren Wunsch nach einem Leben mit Kind / Kindern zu erfüllen.

Pflegekinder sind Kinder und - in selteneren Fällen auch – Jugendliche, die in einer anderen Familie als ihrer Herkunftsfamilie leben. Aus unterschiedlichen Gründen können sie von ihren leiblichen Eltern nicht im eigenen Haushalt versorgt und betreut werden, sind diese mit der Erziehung überfordert. Die leiblichen Eltern stellen daher einen Antrag auf „Hilfe zur Erziehung“ des Kindes oder ihnen wird auf Antrag des Jugendamtes aufgrund einer Gefährdung des Kindeswohles das Sorgerecht ganz oder teilweise entzogen. Ausgehend von den Bedürfnissen und Wünschen des Kindes, das ab einem gewissen Alter in die Entscheidung einbezogen wird, werden die Pflegepersonen ausgewählt.

Für Kinder ist vor allem die erste Zeit in einer Pflegefamilie in der Regel durch einen grossen Loyalitätskonflikt gekennzeichnet. Auf der einen Seite stehen die leiblichen Eltern, mit denen das/die Kind/er trotz eventueller massiver Konflikte emotional verbunden ist/sind, auf der anderen Seite die Pflegefamilie, zu denen es eine Beziehung aufbauen soll/en.

Pflegepersonen können Ehepaare oder eheähnliche Lebensgemeinschaften mit oder ohne eigene Kinder sowie Einzelpersonen werden. InteressentInnen werden im Vorfeld vom Jugendamt oder einer vom Jugendamt beauftragten Organisation auf ihre Eignung hin überprüft. Neben Bewerbungsunterlagen wie einem ausführlichen Lebenslauf, einem ärztlichen Attest, dem Einkommensnachweis und polizeilichem Führungszeugnis werden in der Regel diverse Informations- und Beratungsgespräche geführt sowie der obligatorische Hausbesuch durchgeführt, um die persönliche Situation und die Motivation zu hinterfragen. Die inhaltliche Vorbereitung der potentiellen Pflegeeltern erfolgt dann im Rahmen von Einzelgesprächen mit der zuständigen Fachkraft des Jugendamtes und / oder in Gruppenarbeit mit anderen BewerberInnen.

Aufgrund der Unterschiedlichkeit der jeweiligen Situationen gibt es verschiedene Formen der „Pflege in Familie“, die nach Dauer und Zielstellung differenziert sind. Die Formen der Vollzeitpflege sind dabei noch einmal unterteilt in Kurzzeit- und Dauerpflege, die sog. Sozialpädagogischen Pflegestellen und Erziehungsstellen sowie die Bereitschaftspflege.

Pflegeeltern übernehmen neben der Erziehungs- und Betreuungsverantwortung für das / die Pflegekind/er die Verpflichtung, mit dem Jugendamt in Form einer Hilfeplanung zusammen zu arbeiten. Oftmals besteht das Ziel eines Pflegeaufenthaltes darin, dem Pflegekind kurz-, mittel- oder langfristig die Rückkehr in seine Ursprungsfamilie zu ermöglichen. Das bedeutet, dass in der Regel auch der Kontakt zu den leiblichen Eltern von Seiten der Pflegeeltern unterstützt werden muss. Als grösste psychische und emotionale Belastung erleben Pflegeeltern häufig die Rückkehr des Pflegekindes in die Herkunftsfamilie, nachdem es teilweise jahrelang bei ihnen gelebt und Teil der Familie geworden ist. Pflegekinder können den eigenen Kinderwunsch daher nur bedingt erfüllen, da Pflegefamilien aufgrund der Konstellationen als „Familie auf Zeit“ ausgelegt sind.

Homosexuelle Paare haben es trotz der positiven bundesdeutschen Entwicklungen tendenziell schwerer, Pflegeeltern zu werden. Das hängt u.a. mit dem Mitspracherecht der leiblichen Eltern bei der Auswahl der Pflegestelle zusammen. Aufgrund homophober Vorurteile bevorzugen viele leibliche Eltern heterosexuelle Paare oder alleinstehende heterosexuelle Frauen.

Die Erfahrungen mit dem Leipziger Jugendamt sind an dieser Stelle wieder einmal erfrischend positiv. So hat die zuständige Abteilung „Adoptions- und Pflegekinderwesen“ keine Schwierigkeiten damit, offen für homosexuelle Pflegeeltern zu werben. InteressentInnen wenden sich einfach an das Jugendamt der Stadt Leipzig.