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STIEFKINDADOPTION


Seit dem 1. Januar 2005 ist es möglich, die leiblichen Kinder des eingetragenen Lebenspartners oder der Lebenspartnerin zu adoptieren. Durch die Stiefkindadoption werden erstmals in Deutschland zwei Mütter oder zwei Väter rechtlich als Elternpaar anerkannt. Voraussetzung für die Adoption ist, dass sie dem Kindeswohl dient und dass ihr der andere, leibliche Elternteil (soweit vorhanden) zustimmt. Denn mit der Adoption erhält die Stiefmutter oder der Stiefvater rechtlich die gleiche Stellung wie ein leiblicher Elternteil. Die „Verwandtschaftsbeziehung“ zum leiblichen Elternteil wird dagegen vollständig aufgehoben, so dass auch keine Unterhalts- oder Erbansprüche bestehen.

Laut Untersuchungen leben in Deutschland mindestens 13 000 Kinder bei homosexuellen Paaren. Oft stammen diese Kinder aus vorangegangenen Beziehungen, immer öfter werden Kinder aber auch in bestehende Beziehungen via Samenspende hineingeboren. In vielen dieser Fälle kann eine Stiefkindadoption dazu beitragen, das Kind rechtlich besser abzusichern. Eine Adoption ist dabei mit allen sich ergebenden Konsequenzen endgültig. Der Weg zu einer Stiefkindadoption kann dabei durchaus lang und steinig sein. In der Regel dauert das Prozedere, bei dem es keinen Unterschied zwischen homo- und heterosexuellen Paaren geben soll, gut ein Jahr.

Die Stiefkindadoption muss beim Vormundschaftsgericht beantragt werden. Der Antrag muss von einem Notar beurkundet werden (hilfreich kann hier die Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule Juristen sein). Darüber hinaus wird das Jugendamt in den Adoptionsprozess miteinbezogen. Es wird vom Vormundschaftsgericht beauftragt, zu prüfen, ob die beabsichtigte Adoption dem Wohle des Kindes dient und zu erwarten ist, dass zwischen dem Annehmenden und dem Kind ein Eltern-Kind-Verhältnis entsteht.

Um dies festzustellen, überprüft das Jugendamt die Familie. Dabei wird zum einen die Beziehung zwischen Kind und Stiefelternteil untersucht, zum anderen werden auch die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der künftigen Mutter oder des künftigen Vaters unter die Lupe genommen. Das Jugendamt muss die Ergebnisse seiner Überprüfung den Betroffenen mitteilen. Es empfiehlt sich daher, schon vor der Antragstellung beim Vormundschaftsgericht Kontakt zum Jugendamt aufzunehmen.

Dem Adoptionsantrag müssen alle Beteiligten zustimmen und dies notariell beurkunden lassen, ab dem 14. Lebensjahr auch das Kind selbst. Zuvor muss an seiner Stelle der gesetzliche Vertreter diese Einwilligung geben. Die Zustimmung kann frühestens erteilt werden, wenn das Kind acht Wochen alt ist.

Je nach dem, ob der gesetzliche beziehungsweise biologische Vater bekannt ist, muss auch dieser zustimmen. Wenn die Mutter den biologischen Vater nicht mitteilen kann oder will, muss sich das Gericht von Amts wegen selbst um eine Sachverhaltsaufklärung bemühen. Falls dies ohne Erfolg bleibt, ist die Annahme auch ohne Einwilligung des Vaters zulässig. Dies geht zumindest aus einem Urteil des Landgerichts Freiburg aus dem Jahr 2002 hervor.

Wird das Kind durch Insemination über eine Samenbank in eine homosexuelle Beziehung hineingeboren, ist das Prozedere das Gleiche. Die Zustimmung des „Vaters“ entfällt.

Im Falle einer privaten Samenspende, bei der der Spender anonym bleiben soll,  gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Entweder die Mütter geben an, den Vater nicht benennen zu können oder zu wollen. Dann muss das Gericht – siehe oben – prüfen.  Darüber hinaus kann natürlich der Samenspender als Vater benannt werden. Er muss nicht befürchten, dass dies über das Verfahren hinaus bekannt wird. Wenn er der Stiefkindadoption zustimmt, bewahrt ihn dies zudem sicher vor möglichen Unterhalts- oder Erbansprüchen des Kindes.

In Leipzig wurden inzwischen einige Stiefkindadoptionen lesbischer oder schwuler Eltern erfolgreich abgeschlossen.

 

Wer spezielle Fragen zu diesem Thema hat, wendet sich bitte an Nancy Schmidt.