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FAMILIENTAG 2011


Thema: „Wie sage ich es meinem Kind?“

Mehr als 20 Frauen mit und ohne Kinder waren am Sonntag, dem 19. Juni 2011, in die Räume der Leipziger Frauenkultur zum queerkids-Familientag gekommen.

Für die lesbischen Mütter und die, die es werden wollen, ging es um ein wichtiges Thema: „Wie sage ich es meinem Kind?“. Gemeint war, wie sage ich meiner Tochter / meinem Sohn, dass ihre Familienkonstellation anders ist als die von Freunden im Kindergarten oder in der Schule.

Zum Thema eingeladen war die Diplom-Sozialarbeiterin, Therapeutin und erfahrene Referentin Angela Greib, die in Frankfurt/Main im Jugendamt arbeitet. Als lesbische Frau und Mutter, die gleichzeitig beruflich mit der Vermittlung von Kindern in Pflegefamilien zu tun hat, kennt sie die Probleme, die spezielle Familienmodelle mit sich bringen können.

Zu Beginn des Workshops ging es darum zu schauen, welche lesbischen Familienmodelle vertreten waren: Die meisten waren Paare mit ein oder mehreren kleinen Kindern, bei denen der Erzeuger zumindest den Müttern bekannt ist oder wo die Kinder mit 18 Jahren seine Identität bei der Samenbank erfragen können. Aber es gab auch (noch) kinderlose Paare, ein Frauenpaar mit einem so genannten No-Spender, dessen Tochter also keine Auskunft bei der Samenbank erhält, und eine alleinerziehende Mutter mit einem Kind aus einer Hetero-Beziehung.

Die Kinder sollen möglichst offen damit umgehen, dass sie aus einer lesbischen Familie kommen und müssen dafür stark gemacht werden. Darin herrschte Einigkeit zwischen den anwesenden Frauen und Angela Greib: „Nichts ist schlimmer als das Kind zum Lügen zu animieren, etwa zu verheimlichen, dass es zwei Mütter hat.“ Nur so kann es schliesslich Freunde nach Hause einladen.

Diskussionsbedarf gab es zum Thema Samenspender / Erzeuger. Den Begriff Vater oder gar Papa lehnten die Mütter eher ab, weil er aus ihrer Sicht der Rolle des Mannes in dieser Konstellation nicht gerecht wird. Die Diskussion entzündete sich vor allem an der Frage, inwieweit die Kinder erfahren sollten, wer ihr Erzeuger ist und wenn ja, in welchem Alter. Sozialarbeiterin Angela Greib plädierte aus den Erfahrungen ihrer täglichen Arbeit heraus für ein Aufdecken der Identität: „Es gibt eindeutige Untersuchungen, die belegen, dass es für ein Kind wichtig ist zu erfahren, wo es genetisch gesehen herkommt.“ Sie sprach sich für einen offenen und positiven Umgang aus: „Der richtige Zeitpunkt lässt sich nicht exakt bemessen, das ist in jeder Familie anders.“ In jedem Fall sollten Fragen des Kindes nach dem „Vater“ nicht abgewiegelt oder tabuisiert werden, selbst wenn die Mütter die Hilfe einer Samenbank in Anspruch genommen haben. Angela Greib: „Dann sagt, er hat vielleicht blaue Augen oder blonde Haare.“ Generell sollte kein negatives Bild vom Erzeuger gemalt werden.

Mit dieser Meinung stiess sie durchaus auf Skepsis bei einigen der Frauen, manche fürchtet eine Idealisierung des Mannes, der die tägliche Arbeit bei der Kindererziehung nicht leistet. Die teilweise kontrovers geführte Diskussion war für die meisten Frauen dennoch positiv. Die vorherrschende Meinung nach dem dreistündigen Workshop: „Der Austausch auch mit anderen Müttern hat uns viel gebracht.“


Angela Greib:

ist Diplom-Sozialarbeiterin und Gestalttherapeutin. Sie arbeitete zunächst im Sozialen Dienst. Seit 2000 arbeitet sie im Pflegekinderdienst und unterrichtet an der Fachhochschule Frankfurt a. M. im Rahmen eines Lehrauftrages. Sie steht als Ansprechpartnerin und Referentin für Interessierte und Jugendämter zur Verfügung.